Altersbedingte Makuladegeneration (AMD)

 

Sehen empfinden die meisten Menschen als Selbstverständlichkeit. Im Alter kann das Augenlicht jedoch nachlassen. Eine häufige Ursache dafür ist die altersbedingte Makuladegeneration (AMD). Sie kann als trockene oder feuchte AMD auftreten.

 

In dieser Ausgabe von Sprechstunde Naturmedizin bieten wir Ihnen einen Überblick über dieses Phänomen. Wir erklären die Rolle, die Lutein und Zeaxanthin bei Behandlung und Therapie spielen können. Außerdem haben wir für Sie Augenkapseln und -tabletten einem Test unterzogen und verglichen.

 

 

 

Augenkapseln im Vergleich: Hier die Tabelle kostenlosen ansehen.

 

 

Altersbedingte Makuladegeneration: ein Überblick

 

Die altersbedingte Makuladegeneration (AMD) ist ein komplexes Leiden mit vielerlei Ursachen, eine sogenannte multifaktorielle Erkrankung. Sie gilt in den Industrieländern als Hauptursache für die irreversible Erblindung von über 65-Jährigen. Weltweit sind derzeit etwa 30 Millionen Menschen von dieser Krankheit betroffen. Schätzungen prognostizieren bis 2040 einen Anstieg auf rund 300 Millionen. Frauen sind häufiger betroffen, weil sie eine höhere Lebenserwartung haben. Die Degeneration beginnt oft um das 40. Lebensjahr und nimmt ab dem 60. Lebensjahr sprunghaft zu.

 

Der Name der Erkrankung bezieht sich auf die Makula: Diese bezeichnet den Punkt des schärfsten Sehens und befindet sich im Zentrum der Netzhaut. Hier liegt auch das Makulapigment. Es enthält eine hohe Konzentration der Carotinoide Lutein und Zeaxanthin. Dadurch erscheint das Makulapigment gelb und wird auch „gelber Fleck“ genannt. Aufgabe des Makulapigments ist der Schutz gegen blaues Licht und hohe Strahlungsenergie.

 

Eine niedrige Makulapigmentdichte begünstigt die Degeneration der Sehkraft. Sie hängt laut diverser Studien (siehe unten) mit einer unzureichenden Zufuhr von Lutein und Zeaxanthin zusammen. Zu den weiteren Ursachen für AMD zählen nach heutigem Kenntnisstand Rauchen, Licht (insbesondere UV-Strahlen) und Bluthochdruck.

 

AMD tritt in zwei unterschiedlichen Arten auf. Die feuchte Form macht etwa 20 Prozent der Fälle aus, die trockene Form etwa 80%.[1]

 

Die feuchte AMD entsteht durch das Wachstum von Gefäßen. Diese sind sehr instabil und neigen zu Blutungen und Schwellungen, es kommt zu Vernarbungen. Gerade Linien werden von den betroffenen Patienten gekrümmt wahrgenommen.

 

Bei der trockenen AMD bilden sich Ablagerungen unter der Netzhaut, die sogenannten Drusen. Die Durchblutung der unter der Netzhaut gelegenen Aderhaut wird erschwert. Die Sicht der Patienten ist verändert oder verzerrt. In fortgeschrittenen Stadien kann es zu einer geografischen Atrophie kommen, also dem flächigen Absterben von Zellen.

 

Lutein und Zeaxanthin

 

Lutein und Zeaxanthin sind Carotinoide. Diese natürlich vorkommenden fettlöslichen Pigmente üben in erster Linie antioxidative Wirkungen aus. Einzelne Carotinoide agieren aber auch durch andere Mechanismen. Lutein und Zeaxanthin sind die häufigsten Carotinoide im „gelben Fleck“ und bilden zusammen das Makulapigment im Auge. Der Mensch kann keine Carotinoide synthetisieren: Er muss sie mit der Nahrung aufnehmen.

 

Lutein und Zeaxanthin sind diätetische Carotinoide. Sie werden aus dunkelgrünem Blattgemüse, Pistazien, Eiern, orangefarbenem und gelbem Obst gewonnen. Eine besonders reiche Quelle bietet zudem die Aufrechte Studentenblume (Tagetes erecta).

 

Studien zu Carotinoiden

 

Die Auswirkungen der Lutein- und Zeaxanthin-Aufnahme auf das Risiko und Fortschreiten von AMD wurden in klinischen Studien untersucht.

 

Die Studien geben Hinweise darauf, dass Lutein und Zeaxanthin bei AMD eine Besserung bewirken. Somit können sie als bedingt essentielle Nährstoffe für ältere Menschen gelten.[2]

 

Eisenhauer, Natoli, Liew und Flood untersuchten in ihrer Studie Lebensmittel hinsichtlich Lutein und Zeaxanthin sowie deren Bioverfügbarkeit. Ihre „skizzierten Ernährungsmodelle geben Aufschluss über die Bedeutung der Ernährungsvielfalt bei Menschen mit hohem AMD-Risiko oder mit frühen Anzeichen und Symptomen von AMD.“[3]

 

Das Team Eggersdorfer und Wyss geht noch einen Schritt weiter und empfiehlt: „Der Nutzen von Lutein bei der Verringerung des Fortschreitens der altersbedingten Makula-Erkrankung und des Grauen Stars wird untermauert. Eine Aufnahmeempfehlung würde dazu beitragen, das Bewusstsein der Bevölkerung für eine angemessene Aufnahme von luteinreichen Lebensmitteln zu schärfen.“[4]

 

In Deutschland liegt die durchschnittliche tägliche Aufnahmemenge über Nahrung bei Lutein zwischen 1 und 2 mg, bei Zeaxanthin zwischen 0,2 und 1,8 mg. Weitere wissenschaftliche Studien zeigen, dass diese Menge häufig nicht ausreicht. 

 

So untersuchte ein Team der Tianjin University of Traditional Chinese Medicine den Nutzen von Lutein und Zeaxanthin bei Sehstörungen und kam zu folgendem Ergebnis: „Der Mechanismus, durch den sie (Lutein und Zeaxanthin) an der Vorbeugung von Augenkrankheiten beteiligt sind, kann auf ihre physikalischen Blaulicht-Filtereigenschaften und ihre lokale antioxidative Aktivität zurückzuführen sein. Neben ihrer Schutzfunktion gegen lichtinduzierte oxidative Schäden gibt es zunehmend Hinweise darauf, dass Lutein und Zeaxanthin auch die normale Augenfunktion verbessern können, indem sie die Kontrastempfindlichkeit erhöhen und die Sehbehinderung reduzieren. Umfragen über die Supplementierung von Lutein und Zeaxanthin haben gezeigt, dass eine moderate Aufnahme von Lutein und Zeaxanthin mit einem verringerten AMD-Risiko und einer geringeren Sehbehinderung verbunden ist.“[5]

 

Die Studie der Experten der traditionellen chinesischen Medizin befürwortet also die zusätzliche Einnahme von Lutein und Zeaxanthin.

 

Ein Forscherteam der malaysischen International Medical University berichtet als Ergebnis seiner Untersuchung, dass der Einsatz von Lutein allein und in Kombination mit Zeaxanthin die Prävention und Behandlung von AMD unterstützt.[6]

 

Mit Blick auf diese und ähnliche Studien erscheint die zusätzliche Einnahme von Lutein und Zeaxanthin empfehlenswert. Sucht man nach wirksamen Augenkapseln, sollten diese beiden Nährstoffe enthalten sein. Dieses Kriterium haben wir bei unserem Vergleich berücksichtigt.

Empfehlungen der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EBL)

 

Die EBL ist eine Agentur der Europäischen Union und unterstützt die Europäischen Kommission, das Europäische Parlament und die EU-Mitgliedsstaaten beim Gesundheitsschutz der Verbraucher. Dafür liefert sie wissenschaftliche Beratung und legt unter anderem Höchst- und Mindestmengen für Vitamine und Mineralstoffe fest.

 

Zur Erhaltung von Sehkraft und Sehvermögen empfiehlt die EBL vier Nährstoffe: Docosahexaensäure (DHA), Riboflavin, Vitamin A und Zink.[7]

 

Basierend auf ihren aktuellen Untersuchungen gibt die EBL für jeden dieser Stoffe eine empfohlene Tagesdosis (RDA) an: Bei DHA liegt sie bei 250 mg. Für Vitamin A werden 800 µg, für Riboflavin 1,6 mg und Zink 15 mg empfohlen.[8]

 

Diese Richtwerte haben wir zur Beurteilung der von uns getesteten Augenkapseln übernommen.

 

Wirkstoff Heidelbeere

 

In unserem Augenkapsel-Test haben wir auch darauf geachtet, ob die Präparate Heidelbeeren enthalten. Wie eine Reihe von Studien belegt, können sie positive Auswirkungen auf das Sehen haben.

 

Diese Studien verwendeten unterschiedliche Methoden. Heidelbeeren enthalten Anthocyane und Flavonoide. Einige Untersuchungen befassten sich allgemein mit den Auswirkungen dieser Stoffe bei verschiedenen Krankheiten.[9]

 

In anderen Studien analysierten japanische Forscher den Einfluss von blauem Licht auf das Sehen und welche Rolle das Heidelbeerextrakt dabei spielt. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass anthocyanhaltige Heidelbeerauszüge die Wirkung von blauem LED-Licht und DTT-induzierter retinaler Photorezeptorzellschädigung verändern können.[10]

 

In einer weiteren Studie befassten sich Wissenschaftler der Universität Hongkong mit der Beziehung zwischen Heidelbeerextrakt und physiologischer Erneuerung. Die Ergebnisse zeigen, dass Heidelbeerextrakt für die physiologische Erneuerung und Homöostase von kornealen Epithelzellen vorteilhaft sein kann.[11]

 

In konkreteren Studien der medizinischen Fakultät Tokyo wurde nachgewiesen, wie anthocyanreiches Heidelbeerextrakt bei Netzhautentzündungen eine schützende Wirkung auf die Sehfunktion entfaltet.[12]

 

Aufgrund dieser Studien gehören Heidelbeeren unserer Meinung nach zu den unabkömmlichen Zutaten in AMD-Augenkapseln.

 

Qualität der Nährstoffe

 

Im Gegensatz zu anderen Vergleichstests analysieren und bewerten wir nicht nur die Quantität, sondern auch die Qualität der Nährstoffe.

 

Als weiteres Qualitätskriterium haben wir folglich die Bioverfügbarkeit der Nährstoffe angesetzt. Denn die Bioverfügbarkeit entscheidet, wie gut ein Nährstoff vom Körper aufgenommen werden kann.

 

Bei der Bioverfügbarkeit von Nährstoffen werden drei Hauptformen unterschieden.

 

a) Die nahrungsäquivalente Form bietet die höchste Bioverfügbarkeit. Dabei ist der Stoff in derselben Form im Präparat enthalten, wie er in der natürlichen Nahrung vorkommt.

b) Bei der gebundenen Form werden Stoffe z. B. mit Glycinat verbunden. In diesem Fall erscheinen sie bei den Zutaten als Glycinat-Form.

c) Die isolierte Form wird bei den Zutaten als Citrat- oder Sulfatverbindung gelistet. Diese Stoffe kann der Körper nur schwer aufnehmen.

 

Für einen sinnvollen Vergleich sollte aus der Liste der Zutaten zu erkennen sein, in welcher Form der Stoff in dem Präparat enthalten ist. Das entscheidet über die Qualität des Produktes. Deshalb kennzeichnen wir in unserer Testtabelle die Nährstoffe ebenfalls mit den Buchstaben a bis c.

 

Gesunde Ernährung heute

 

Eine optimale Ernährung basiert auf natürlichen Nahrungsmitteln: Sie sollen möglichst unbehandelt und nicht industriell verarbeitet sein. Zwar hat sich der Mensch in seiner Entwicklungsgeschichte stetig an die neuen Gegebenheiten angepasst. Doch mit der Industrialisierung erfolgte ein sprunghafter Anstieg manipulierter Nahrungsmittel. Dies überfordert unseren Körper und verursacht häufig Probleme.

 

Natürliche Lebensmittel und Nahrungsergänzungen mit nahrungsäquivalenten Zutaten ermöglichen es, die Lücken in unserer Ernährung zu schließen.

 

Hilfsstoffe

 

Bei jedem Nahrungsergänzungsmittel empfiehlt sich ein Blick auf die Hilfsstoffe: Schließlich tragen sie nichts zur eigentlichen Wirkung des Präparates bei. In einigen Fällen können sie sogar schädlich oder zumindest unangemessen sein.

 

Augenkapseln mit einer hohen Anzahl von Hilfsstoffen haben wenig Platz für das Essentielle. Doch leider werden Kapseln allzu häufig mit billigen Hilfsstoffen aufgefüllt.

 

Deshalb listen wir in unserem Test die Hilfsstoffe und auch ihre Anzahl getrennt auf. 

 

Beispiel Gelatine

 

Zu unserer Überraschung haben wir festgestellt, dass Gelatine ein beliebter Hilfsstoff bei Augenkapseln ist. Aufgrund des Herstellungsverfahrens von Gelatine lehnen wir deren Verwendung strikt ab: Gelatine wird aus Bindegewebe von Schweinen, Rindern oder Fisch gewonnen.

 

Die Produktion von Gelatinekapselhüllen ist relativ aufwändig. Dennoch bleibt sie deutlich kostengünstiger als die Herstellung von pflanzlichen Kapselhüllen, die Tierreich und Umwelt schonen.

 

Testergebnis

 

Die getesteten Augenkapseln tragen zur Erhaltung der normalen Sehkraft und des Sehvermögens bei. Dazu setzen Hersteller auf die wissenschaftlich fundierten Empfehlungen der EBL.

 

Darüber hinaus berücksichtigen sie die neuesten Studien über Lutein und Zeaxanthin und binden diese Inhaltsstoffe in ihre Produkte ein.

 

Die qualitativen Unterschiede ergeben sich in erster Linie aus der Verarbeitung der Nährstoffe. Wenige Hersteller setzen auf wertvolle Nährstoffe der nahrungsäquivalenten Form mit hoher Bioverfügbarkeit. Die meisten Produkte enthalten die billige isolierte Form sowie unnötige und bedenkliche Hilfsstoffe.

 

Diese gravierende Differenz spiegelt sich in den Herstellerangaben auf den Etiketten wider. Bei den von uns analysierten und bewerteten Augenkapseln gibt nur ein Produzent die Zutaten und die entsprechenden Wirkstoffe an.

 

Hier nochmals die Vergleichsstabelle der getesteten Augenkapseln zum Anklicken und kostenlosen Einsehen. Der Testsieger PRO VISON EYES erzielte 78 von 100 Punkten.

 

 

Punktevergabe

Unseren Testsieger haben wir durch ein Punktesystem ermittelt. Maximal waren 100 Punkte zu erreichen. Wir haben für 5 verschiedene Aspekte jeweils eine Maximale Punktzahl festgelegt gehabt:

 

  • Max. 25 Punkte für den Enthalt von Lutein und Zexanthin.
  • Ebenfalls max. 25 Punkte für die von EBL empfohlenen Wirkstoffe und deren Menge: DHA, Riboflavin B2, Vitamin A und Zink.
  • Max. 20 Punkte für die Qualität der Wirkstoffe.
  • Für die Deklaration haben wir max. 15 Punkte verliehen. Hier haben wir unter anderem Wert daraufgelegt, dass das Präparat eine Packungsbeilage hat. Leider mussten wir mit Entsetzen feststellen, dass das nicht immer der Fall ist.
  • Zu guten Schluss haben wir max. 15 Punkte für den niedrigsten Preis vergeben. 

 

Referenzen

[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Makuladegeneration

[2] Carotenoids, Chronic Disease Prevention and Dietary Recommendations, Bohn T., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/30545279

[3] Lutein and Zeaxanthin-Food Sources, Bioavailability and Dietary Variety in Age-Related Macular Degeneration Protection. Eisenhauer B, Natoli S, Liew G, Flood VM. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/28208784

[4] Carotenoids in human nutrition and health. Eggersdorfer M, Wyss A. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/29885291

[5] The Pharmacological Effects of Lutein and Zeaxanthin on Visual Disorders and Cognition Diseases.

Jia YP, Sun L, Yu HS, Liang LP, Li W, Ding H, Song XB, Zhang LJ. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/28425969

[6] Lutein improves cell viability and reduces Alu RNA accumulation in hydrogen peroxide challenged retinal pigment epithelial cells. Chong YS, Mai CW, Leong CO, Wong LC. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/28554225

[7] http://ec.europa.eu/food/safety/labelling_nutrition/claims/register/public/?event=search

[8] https://eur-lex.europa.eu/LexUriServ/LexUriServ.do?uri=OJ:L:2006:404:0009:0025:EN:PDF

[9] Current data on the role of anthocyanosides and flavonoids in the treatment of eye diseases. Vorob'eva IV. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/26845880

[10] Bilberry extract and anthocyanins suppress unfolded protein response induced by exposure to blue LED light of cells in photoreceptor cell line. Ooe E, Kuse Y, Yako T, Sogon T, Nakamura S, Hara H, Shimazawa M. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/30294201

[11] Protective effect of bilberry (Vaccinium myrtillus L.) extracts on cultured human corneal limbal epithelial cells (HCLEC). Song J, Li Y, Ge J, Duan Y, Sze SC, Tong Y, Shaw PC, Ng TB, Tsui KC, Zhuo Y, Zhang KY. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20077406

[12] Vision preservation during retinal inflammation by anthocyanin-rich bilberry extract: cellular and molecular mechanism. Miyake S, Takahashi N, Sasaki M, Kobayashi S, Tsubota K, Ozawa Y. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21894150